Montag, März 4, 2024
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Ab in den Tiefschnee nach Engelberg

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Aus der Luft betrachtet ist das Bergdorf Engelberg in der Zentralschweiz mitten in ein Bergmassiv hineingekleckst. Im Winter ist es zudem weiß gepudert und scheint zu schweben. Und so ist dieses Klosterdorf malerisch in einem Hochtal auf 1.000 Höhenmetern reihenweise von Gipfeln und Gletschern umgeben: Über der Dorfstraße leuchtet die Felswand des „Hahnen“ zartrosa im Morgenlicht – wo ein Mönch einen Engel gehört haben will, um genau hier 1120 ein Benediktiner Kloster zu gründen. Am anderen Ende des Tales thront der Gletscher Titlis über einem Meer aus verschneiten Pisten, zugefrorenen Bergseen, Steilwänden und Gipfeln.

Das Bergdorf Engelberg mit dem markanten „Hahnen“ – dem Hausberg. Im Hintergrund die Klosterkirche. (Fotos: Anja Steinbuch, Titelbild: Engelberg-Titlis)
Das Bergdorf Engelberg mit dem markanten „Hahnen“ – dem Hausberg. Im Hintergrund die Klosterkirche.

Einfach Schweben

Kein Wunder, dass der leidenschaftliche Tiefschnee-Fahrer mit dem Spitznamen „Schneeflocke“ oder Snowflake dieses Ski-Paradies zu seiner Heimat erklärt: „Es ist wie schweben“, so beschreibt der 77-jährige Schweizer seine Leidenschaft. Er ist in der Wintersaison fast täglich auf den Skiern – am liebsten schwebt er durch den Tiefschnee. Und er trägt Weiß, sogar seine Skischuhe und die Skier sind weiß – sein Markenzeichen.

„Snowflake“ alias Heinrich Giesker genießt die Skisaison in vollen Zügen. Für ihn ist Skifahren pures Glück.
„Snowflake“ alias Heinrich Giesker genießt die Skisaison in vollen Zügen. Für ihn ist Skifahren pures Glück.

Denn in dieser Montur fällt er nicht auf – kann ungestört auf die unpräparierten Abfahrten – auch wenn die Pistenwache das nicht immer gern sieht. Früher fuhr er stets mit der letzten Gondel hoch, um oben das Alpenglühen zu beobachten, und um dann in Ruhe und allein die letzte Abfahrt zu genießen. Für ihn ist das die Freiheit – pures Glück. Snowflake heißt eigentlich Heinrich Giesker, eine Legende in Engelberg – auf und neben der Piste, ohne Mütze, ohne Brille, mit wehendem Haar.

Freeride bevorzugt

Die Ski-Saison startet hier bereits im Oktober und endet erst im Mai. Mit 80 Pistenkilometern, fünf großen Freeride – (Tiefschnee) Abfahrten und guter Anbindung an das europäische Schienen- und Flugnetz ist Engelberg Jet-Set-Treffpunkt für Wintersportler – Profis und Hobby-Skifahrer, Abfahrer und Langläufer und vor allem Freerider – also Tiefschneefahrer abseits der Pisten. Schneemangel? Klimawandel? Bisher mussten die Engelberger nur selten klagen. Die meisten Pisten sind gen Norden ausgerichtet. Das Skigebiet Engelberg-Titlis ist mehr als zweihundert Tage im Jahr geöffnet. „Früher war mehr Schnee“, ist sich Snowflake alias Heinrich allerdings sicher. Auch in Engelberg sind entlang der Pisten Schneekanonen in Stellung, um fehlendes Weiß über Nacht aufzufüllen.

Neue Gewohnheiten ohne Schlüssel

Doch die Engelberger haben bisher jeden Wandel gemeistert. „Die Reisegewohnheiten der Menschen verändern sich“, weiß Frank Kurer. Es wird kurzfristiger und nach Wetterlage gebucht – Urlaub und Arbeit werden oft verbunden. Kurer, der junge Hotelier aus Leidenschaft betreibt in der Dorfstraße die „Alp Apartments“, das Hotel „Spannort“ mit 20 Zimmern und Restaurant und nur wenige Meter weiter Richtung Titlis außerdem das „Grand“ – auch mit 20 Zimmern. Der Clou: In den Häusern gibt es weder eine klassische Rezeption noch einen Zimmerschlüssel. Gäste checken vorab online in das Gasthaus ein und öffnen ihre Zimmertür mit dem eigenen Handy. Fragen werden mit der dazu gehörigen App per Chat beantwortet.

Frank Kurer vor seinem Gasthaus „Spannort“ mitten in Engelberg. Er setzt auf Digitalisierung und flexible, kurzfristige Buchungen.
Frank Kurer vor seinem Gasthaus „Spannort“ mitten in Engelberg. Er setzt auf Digitalisierung und flexible, kurzfristige Buchungen.

„Das ist die Zukunft“, ist Kurer überzeugt, der damit auch für sich das Problem Fachkräftemangel löst. „Ich müsste pro Haus vier Rezeptionisten einstellen, damit sie im Schichtbetrieb arbeiten können.“ Das sei für kleine Hotels kaum zu schaffen. Ironie des Schicksals: Das Spannort war einst eine Herberge für Angestellte der vielen großen Luxushotels, die hier wie Schlösser vor der Bergkulisse um den Kurpark herum angesiedelt waren. Kurer, der auch Immobilienentwickler ist und sich vor Ort politisch engagiert, will an der Dorfstraße mehrere Häuser bauen – mit günstigem Wohnraum für Angestellte der Tourismusbranche.

Nur ein Grandhotel überlebte

1904 startete in Engelberg die erste Wintersaison, mit Eisflächen und Kellnern, die auf Schlittschuhen servierten, mit Rodelbahnen, Curling und vielen britischen Gästen. Die beiden Weltkriege setzten den Grandhotels jedoch bald ein jähes Ende – nur eines überlebte. Es wurde 2021 renoviert wiedereröffnet als „Kempinski Palace Engelberg“, ein Fünfsternehotel im historischen Bau des früheren Grandhotels Winterhaus mit einem neuen Gebäudeteil. Und gegenüber dem Bahnhof vereint das „Hotel Bellevue-Terminus“ mit viel Kreativität Belle Époque und modernes Design, indem es historische Elemente aufnimmt, Farben, Stuck, Sessel, Holzböden – für ein modernes Hotelkonzept.

8.Das historische Engelberg: So sah das Grandhotel Winterhaus einst aus.
8. Das historische Engelberg: So sah das Grandhotel Winterhaus einst aus.

Und so schließt sich der Kreis. Touristen aus aller Welt bevölkern weiter im Winter und Sommer das Bergdorf. Snowflake wedelt weiter elastisch die Pisten hinab. Die Zukunft sehen die Engelberger mal in Familien-Angeboten im Einklang mit der Natur. Stichwort: Nachhaltig und ressourcenschonend mit Aufenthalten bei Käsereien, Wanderungen, Schneetouren und vielen Naturerlebnissen – und manchmal eben hoch hinaus:

Das bringt die Zukunft in Engelberg

5.Auf über 3.000 Metern Höhe steht der Gipfelturm auf dem Titlis. Er wird aufwendig umgebaut und für Besucher zugänglich.
Auf über 3.000 Metern Höhe steht der Gipfelturm auf dem Titlis. Er wird aufwendig umgebaut und für Besucher zugänglich.

Denn auf dem 3.238 Meter hohen Titlis entsteht ein neues Gipfel-Erlebnis. Name: Projekt Titlis. Eine sich drehende Panorama-Gondel bringt Touristen heute schon im Minutentakt hierher. Hier stand bisher fünf Gehminuten oberhalb der Gondel-Station lediglich ein massiver Turm mit Observatorien und allerlei Technik. Ein beliebtes Ziel für Besucher aus Asien. Sogar Bollywood drehte bereits hier. Die Star-Architekten Herzog & de Meuron bauen derzeit daraus ein Ausflugslokal mit allerlei touristischen Angeboten. Ein Leuchtturmprojekt und Touristenmagnet für Zeiten, in denen es vielleicht weniger Pulverschnee bis ins Tal geben wird. Fertigstellung: 2029.

Blick in die Zukunft: Auf dem Gipfel entstehen mit dem „Projekt Titlis“ bis 2029 eine neue Bergstation und Freizeitangebote in schwindelerregender Höhe.
Blick in die Zukunft: Auf dem Gipfel entstehen mit dem „Projekt Titlis“ bis 2029 eine neue Bergstation und Freizeitangebote in schwindelerregender Höhe.

Hinweis in eigener Sache: Dieser Artikel wurde teilweise von Reiseveranstaltern, Restaurants, Hotels, Fluggesellschaften und/oder Tourismusagenturen unterstützt. Wir legen größten Wert auf unabhängige und neutrale Berichterstattung; daher entsprechen die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihren persönlichen Ansichten.

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Anja Steinbuch
Anja Steinbuch
Anja Steinbuch arbeitet als Wirtschaftsjournalistin für die Tages- und Fachpresse. "Jedes Reiseziel ist das Ergebnis einer guten Geschäftsidee. Hier warten meine Stories."
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