Montag, März 4, 2024
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Im Rocky Mountaineer durch die kanadischen Berge

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Blick nach links, Blick nach rechts – alles, was mein Auge erfasst, ist in Gelb-Blau gehalten. Vor mir befindet sich der imposante Rocky Mountaineer am Spezialbahnhof in Vancouver. In Kürze werden sich über 750 Passagiere in mehr als 50 Waggons, gezogen von zwei leistungsstarken Diesellokomotiven, auf den Weg in die Rocky Mountains begeben. Ich sitze im Waggon Nummer 6 auf Platz 2 und bin voller Neugier, was mich in den kommenden Tagen erwartet. Mein Ziel ist der Bahnhof in Banff, Alberta. Die Reise führt mit dem Zug durch die beeindruckende Landschaft der Rocky Mountains.

Ein wahrlich aussergewöhnlichr Zug, für den selbst der Hauptbahnhof von Vancouver zu klein ist. (Foto & Titelfoto: Rocky Mountaineer, alle anderen Bilder von Jörg Baldin)
Ein wahrlich aussergewöhnlichr Zug, für den selbst der Hauptbahnhof von Vancouver zu klein ist. (Foto & Titelfoto: Rocky Mountaineer, alle anderen Bilder von Jörg Baldin)

Hauptbahnhf von Vancouver ist zu klein für den Rocky Mountaineer

Bevor der Zug abfährt, werde ich vom Fairmont-Hotel mit einem Shuttlebus abgeholt. Der Check-In für diesen Teil meiner Reise erfolgt bereits bequem in der Hotellobby. Meinen Koffer werde ich erst im nächsten Hotelzimmer wiedersehen, da sich die Mitarbeiter von Rocky Mountaineer während der gesamten Reise um das Gepäck kümmern.

Der Bus bringt mich und zahlreiche andere Gäste zum eigens für den Rocky Mountaineer errichteten Bahnhof, da der Hauptbahnhof von Vancouver für den außergewöhnlich langen Zug und die 750 Passagiere, die zusteigen sollen, zu klein ist. Die geräumige Bahnhofshalle ist von melodischer Klaviermusik erfüllt, die ein talentierter älterer Herr an einem Flügel spielt und dabei Stücke aus der ganzen Welt zum Besten gibt. Für die Gäste stehen Kaffee und Souvenirs bereit. Offenbar handelt es sich dabei um eine zusätzliche Einnahmequelle des Unternehmens, denn viele Besucher kaufen an den Verkaufsständen und später im Zug verschiedenste Merchandisingartikel.

Dudelsackklänge statt langweiligem Pausengong - Die Boarding-Zeremonie des Rocky Mountaineers in Vancouver beginnt musikalisch!
Dudelsackklänge statt langweiligem Pausengong – Die Boarding-Zeremonie des Rocky Mountaineers in Vancouver beginnt musikalisch!

Die gesamte Szenerie vor der Abfahrt erinnert mich auf merkwürdige Weise an den Film „16 Uhr 50 ab Paddington“ mit Miss Marple, besonders als der Moment des Einsteigens naht. Ein Dudelsackspieler in einem Kilt steht an den Ausgangstüren und spielt eindrucksvoll auf seinem Instrument. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Auf Wiedersehen, Vancouver! Ich begebe mich nun in die faszinierende Welt des Rocky Mountaineer.

Die „Königsklasse“: Die Kategorie „GoldLeaf“ im Zug

Der Zug bietet drei verschiedene Komfortkategorien zur Auswahl. Die RedLeaf-Kategorie entspricht einem Waggon, wie wir ihn aus dem Intercity kennen, mit gemütlichen Sitzen und einer ähnlichen Aussicht wie diejenige der SilverLeaf-Gäste. Allerdings müssen RedLeaf-Passagiere ihr Gepäck selbständig verwalten. Im SilverLeaf hingegen genießen die Fahrgäste Panoramafenster, die fast bis zur Decke reichen und so eine eindrucksvolle Aussicht ermöglichen.

Die luxuriöseste Kategorie ist jedoch die GoldLeaf. Hier sind insbesondere die Doppelstockwaggons hervorzuheben: Im unteren Bereich befindet sich der exklusive Restaurantbereich, während die Passagiere oben in komfortablen Sitzen platziert sind und so einen nahezu ungestörten Panoramablick über die seitlich der Strecke liegenden Landschaften genießen können. Dies empfinde ich als einen großen Vorteil gegenüber den beiden anderen Klassen, da die Strecke häufig längere Zeit an malerischen Büschen und Naturszenen entlangführt, die den Fahrgästen in den GoldLeaf-Waggons besonders gut zugänglich sind.

Während wir die Weite des Landes bestaunen, erblicken die anderen Gäste Äste, Büsche und Waldlandschaften. Eine Kostprobe dieser malerischen Aussicht erhalten wir während der Mahlzeiten im Bordrestaurant des Rocky Mountaineer. An Bord werden Frühstück und Mittagessen in zwei Gruppen serviert, um allen Gästen ein angenehmes Ambiente zu bieten. Das exquisite Essen verdanken wir dem engagierten Küchenteam, welches für zwei Waggons zuständig ist.

Blickfang Natur: Ein Beispiel, wie schön die malerische Landschaft entlang der Strecke von Vancouver nach Banff aussieht.
Blickfang Natur: Ein Beispiel, wie schön die malerische Landschaft entlang der Strecke von Vancouver nach Banff aussieht.

An Bord herrscht kein Mangel an Personal. Für unseren Waggon sind im oberen Deck fünf aufmerksame Mitarbeiter zuständig, die uns stets mit Getränken und Snacks versorgen. Sie nehmen sich zudem die Zeit, uns die „Points of Interest“ – also die besonders interessanten Punkte entlang der Strecke – zu erklären und unsere Fragen zu beantworten. Durch ihre Expertise und Herzlichkeit trägt das Personal maßgeblich zu einem unvergesslichen Reiseerlebnis bei.

Lachs, wohin das Auge blickt

Auf dem Weg nach Banff gibt es unzählige Points of Interest (POI). Der lange Zug des Rocky Mountaineer schlängelt sich gemächlich an Flüssen und Wiesen entlang, während er sich den majestätischen Rocky Mountains nähert. Als begeisterter Angler fällt mir sofort die Fülle an Lachsen auf. Die Fische ziehen flussaufwärts, um dort zu laichen und anschließend zu sterben. „In diesem Jahr war die Lachswanderung besonders intensiv“, berichtet Jeff Pelletier, ein Mitarbeiter des Rocky Mountaineer. „Manchmal war kaum noch Wasser zu erkennen, so viele rote Lachsrücken schimmerten aus den Fluten hervor.“ Für mich, der an die Ostsee gewöhnt ist, ist das kaum vorstellbar. Doch vom Zug aus sehe ich so viele Lachse, dass ich es mir am Ende sehr gut vorstellen kann. Schade, dass ich meine Angel nicht dabei habe.

Der Fraser River ist aufgrund seiner reichen Lachsbestände weltbekannt und beherbergt – einschließlich seiner Nebenflüsse – mehr Lachse als alle anderen Flusssysteme der Welt. Schätzungsweise kehren jährlich zehn Millionen Lachse zum Laichen in das System des Frasers zurück.

Die schmalste Stelle im Fraser River und spektakulär: Hells Gate - ein Naturwunder. Hier zwängt sich der mächtige Fluss durch eine nur wenige Meter breite Schlucht und strömt mit ungeheurer Kraft durch das enge Tal.
Die schmalste Stelle im Fraser River und spektakulär: Hells Gate – ein Naturwunder. Hier zwängt sich der mächtige Fluss durch eine nur wenige Meter breite Schlucht und strömt mit ungeheurer Kraft durch das enge Tal.

Während der Rocky Mountaineer das malerische Fraser Valley durchquert und sich in Richtung Kamloops bewegt, überqueren wir die historische Fraser River Swing Bridge, die im Jahr 1904 erbaut wurde. Diese beeindruckende Stahlkonstruktion erstreckt sich von New Westminster bis nach Surrey und verbindet die beiden Städte miteinander. Die Brücke erinnert mich auf gewisse Weise an einen horizontal liegenden Eiffelturm, was ihre architektonische Eleganz und Stabilität unterstreicht. Die Fahrt auf dieser malerischen Strecke bietet nicht nur atemberaubende Ausblicke auf die Landschaft, sondern auch auf bedeutende Ingenieursleistungen der Vergangenheit.

Unsere Reise führt uns weiter zu Fort Langley, durch das malerische Fraser Valley, über die Harrison River Bridge und schließlich zu Hell’s Gate. An dieser Stelle verengt sich der Fraser River auf beeindruckende 33,5 Meter, wobei über 909 Millionen Liter Wasser pro Minute hindurchströmen. Für diejenigen, die einen spektakulären Blick auf dieses Naturwunder erhaschen möchten, gibt es die Möglichkeit, dies aus der Vogelperspektive zu tun: Schweizer Ingenieure haben eine Seilbahngondel konstruiert, die 152 Meter tief in die Schlucht hinabführt und die Besucher sicher zur anderen Seite der Schlucht befördert.

Rocky Mountaineer Fraser River TRAVELMAGZ

Der Fraser Riverwird von einer Vielzahl an imposanten Brücken überspannt. Einige dieser Brücken bestehen aus Metall und fügen sich so nahtlos in die umliegende Landschaft ein.
Der Fraser Riverwird von einer Vielzahl an imposanten Brücken überspannt. Einige dieser Brücken bestehen aus Metall und fügen sich so nahtlos in die umliegende Landschaft ein.

Der Name Hell’s Gate stammt von dem Entdecker Simon Fraser, der den Fluss im Jahr 1808 gründlich erforschte und diesem beeindruckenden Abschnitt seinen unverwechselbaren Namen verlieh. Die dramatische Enge und die reißenden Wassermassen hinterließen einen bleibenden Eindruck bei Fraser, der die Passage als „Tor zur Hölle“ bezeichnete.

Mit dem Rocky Mountaineer am „Last Spike“ vorbei

Der Rocky Mountaineer bahnt sich beharrlich seinen Weg in Richtung Kamloops und verlangsamt seine Fahrt bei der Annäherung an die nächste historische Stätte. Wir erreichen den „Last Spike of the CN Rail“, den Ort, an dem der letzte Nagel der CN-Strecke am 23. November 1885 von der Canadian Pacific Railway eingeschlagen wurde. Allerdings ist der Nagel vom Zug aus nicht zu erkennen. Nach so langer Zeit müsste er ohnehin längst verrostet sein. Etwa 40 Meilen weiter verbreitert sich der Thompson River und mündet in den Kamloops Lake. Damit haben wir das Ziel unserer heutigen Etappe erreicht.

Die imposante Brücke markiert den Beginn des Kamloops Lake, welcher aus dem Thompson River entsteht. Unsere Reise endet hier in Kamloops, dem heutigen Tagesziel.
Die imposante Brücke markiert den Beginn des Kamloops Lake, welcher aus dem Thompson River entsteht. Unsere Reise endet hier in Kamloops, dem heutigen Tagesziel.

In Kamloops schlagen wir unser Lager für die Nacht auf. Diese Kleinstadt diente den Secwepemc- oder Shuswap-Indianern über Jahrtausende hinweg als Handelszentrum. Im Jahr 1812 errichtete die Pacific Fur Company einen Pelzhandelsposten an der Stelle, an der der North Thompson und der South Thompson River aufeinandertreffen. 1821 wurde hier das erste Fort erbaut, welches den Handel in der Region weiter beflügelte.

Die Stadt selbst bekommen wir nicht zu Gesicht, da unser Bus uns direkt vor dem Hotel absetzt und zumindest bei mir der Jetlag langsam seine Wirkung zeigt. Die neunstündige Zeitverschiebung ist für meinen Biorhythmus zu viel, und nach einem kurzen Abendessen zieht es mich ins Bett. Morgen früh um 6:30 Uhr steht der Bus bereits wieder vor der Tür, um uns zum Zug zu bringen. Am zweiten Tag geht es dann endlich in die majestätischen Rocky Mountains, wo uns weitere atemberaubende Ausblicke und spannende Abenteuer erwarten.

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Hinweis in eigener Sache: Dieser Artikel wurde teilweise von Reiseveranstaltern, Restaurants, Hotels, Fluggesellschaften und/oder Tourismusagenturen unterstützt. Wir legen größten Wert auf unabhängige und neutrale Berichterstattung; daher entsprechen die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihren persönlichen Ansichten.

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Jörg Baldin
Jörg Baldinhttps://www.travelmagz.de
Jörg Baldin, Chefredakteur und Gründer vom Reisemagazin TRAVELMAGZ (powered by Breitengrad53), hat 2011 seine wahre Berufung gefunden: Urlaub machen und darüber schreiben! Seitdem hängt er ständig am Flughafen ab, packt seinen Koffer in Rekordzeit und erkundet die Welt. Ob am Strand, im Wald oder auf dem Berg - Jörg fühlt sich überall zu Hause. Kein Wunder, dass er immer eine Extra-Portion Sonnencreme dabei hat, um die schönsten Sonnenuntergänge am Strand zu genießen. Wenn es nach ihm geht, könnte die Welt ruhig noch ein paar mehr Strände vertragen - denn für Jörg gibt es nichts Besseres, als den Sand zwischen den Zehen zu spüren und den Wind um die Nase wehen zu lassen.
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